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Globalisierung und die Möbelindustrie

Der globale Möbelmarkt

Es ist eine Auswirkung der weltweiten Globalisierung: Die Marktführer agieren längst global, mit weltweit den gleichen Produkten und Markennamen. Ein Chinese schläft in dem gleichen Billig-Furnierbett eines großen schwedischen Möbelhauses mit vier Buchstaben wie ein Amerikaner. Und das, obwohl die Kulturunterschiede nicht größer sein könnten. Schwedisch ist an dem großen Billigheimer jedoch nur noch der Eigentümer und die Namen der Produkte. Gefertigt wird längst in eigenen Fabriken in Billiglohnländern, gerne auch in Schwellen- oder Dritte-Welt-Ländern. Oft verdienen die Arbeiter in solchen Ländern nur ein paar Dollar pro Tag.

Die großen Möbelproduzenten fertigen unglaubliche Mengen von Möbeln mit wahnsinnigen Margen und verschicken diese rund um den Globus, um sie mittels Hochglanzkatalogen und teurer Stellfläche in riesigen Möbelmärkten teuer an den Kunden zu bringen. Umweltbelastung durch extrem lange Transportwege, Raubbau an der Natur in Dritte-Welt-Ländern, Lohndumping, schlechte Materialien und mangelhafte Qualität... all das scheint die Kunden hierzulande wenig zu interessieren. Hauptsache der Preis stimmt.

Ein großer Teil der auf dem deutschen Markt erhältlichen Betten stammt heute aus osteuropäischer Produktion. Polen, Litauen und Lettland sind hier besonders beliebt. Statt auf Handarbeit setzt man hier auf Automation, auf die industrielle Möbelproduktion im großen Maßstab. Beliebteste Materialien sind die billigen, weichen Hölzer wie Kiefer oder sogar Pressspan, der nur noch mit einem Holz-Imitat aus Plastik überzogen wird.

Der deutsche Möbelhandel

Der deutsche Möbelmarkt steckt in einer schwerwiegenden Krise. War man noch in den Achtziger Jahren in der Branche der Meinung, dass es vor allem auf die Größe eines Marktes ankomme, stecken heute viele große Möbelhäuser in der Krise. Der Markt teilt sich immer mehr auf in wenige große Ketten mit hohem Marktanteil auf der einen Seite und kleine Möbelgeschäfte in Lauflagen mit individueller Beratung und teuren Designermöbeln auf der anderen. Die eigenständigen Möbelhäuser in Stadtrandlagen aus den achtziger Jahren gehen ein. Den Billigheimer-Kunden sind die Preise zu hoch, den anspruchsvollen Kunden ist die Qualität zu schlecht.

Möbel werden immer mehr als Lifestyleartikel verkauft. In immer kürzeren Abständen werden Kataloge mit neuen Produkten publiziert, die Möbelmärkte werden bunter, Familienfreundlicher und mit Restaurants ausgestattet. Zudem sind längst nicht mehr nur Möbel erhältlich, sondern auch allerlei billiger Nippes: Von der Kerzenabteilung über Kissen bis hin zu Stofftieren. Ziel ist es, den Kunden zum Spontankauf von Dingen zu animieren, die er gar nicht braucht. Ein Besuch in einem großen Möbelhaus wird so immer öfter zu einem Familienausflug mit Kindern und Oma und Opa genutzt. Die Qualität der Möbelstücke, der Werkstoffe und der Verarbeitung wird in den Hintergrund gedrängt. Der Kunde erwartet gar nicht mehr, dass ein Möbelstück 10 Jahre hält. Auf das hier und jetzt kommt es an, auf das Kaufgefühl, darauf, etwas "neues" zu haben. Selbst die ganz kleinen werden schon dazu erzogen, dass mindestens ein mal im Monat etwas neues ins Kinderzimmer muss - immer dann, wenn der nächste Familienbesuch im Möbelmarkt ansteht. Nicht nur gesellschaftlich ist der Einzug des Wegwerf-Denkens im Möbelmarkt äußerst bedenklich. Natürlich ist diese Ideologie auch nicht besonders umweltfreundlich, denn sie führt zu Bergen von Sperrmüll.

Leider führen sich viel zu wenige Kunden die Umstände eines globalisierten Möbelhandels vor Augen. Besonders schwierig ist für den Kunden die Beurteilung der Qualität eines Möbelstückes. Wer kennt sich schon mit Holzsorten, Holzverbindungen und Oberflächenbehandlungen aus? Anders als beispielsweise bei Autos lassen sich bei Möbeln auch keine offensichtlichen Parameter wie PS-Zahl, Kofferraumvolumen oder die Anzahl der Türen vergleichen. Die Kunden haben also gar nicht die Möglichkeit, sich über die Qualität der Produkte eingehend zu informieren. Ein Umstand, den sich die großen Möbelketten zu Nutze machen, indem Sie billige Möbel minderer Qualität in ansprechenden, aktuellen Designs auf den Markt drücken.

Anspruchsvolle Kunden

Für den anspruchsvollen Möbelkunden, der Wert auf Ästhetik, hochwertige Werkstoffe und einen guten Service legt, kommt nur der Besuch in kleinen, spezialisierten Möbelgeschäften in Frage. Doch die Preise sind hier oftmals sehr hoch. Wer ein Bett in modernem Design und in guter Qualität erstehen möchte, ist schnell mal 3.000 bis 5.000 EUR los. Leider fehlt es oftmals an der Möglichkeit der Individualisierbarkeit (z.B. Holzsorte, Oberflächenbehandlung, Maße etc). Wer Wert auf eine individuelle Anfertigung legt, muss zu einem deutschen Schreiner gehen. Doch günstiger wird das Bett dadurch auch nicht, eher teurer. Zudem haben nur wenige Schreiner Erfahrungen im Bettenbau - ein Auftrag wird da schnell zum Risiko.